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Hurtado plädiert für Kernenergie als Baustein der Energiesicherheit

17. März 2026

Kernenergie als Option für Versorgungssicherheit und Zukunftsfähigkeit

Dresden. Der Energieingenieur Antonio Hurtado von der Technischen Universität Dresden fordert, die Kernenergie nicht von vornherein auszuschließen, sondern technologisch weiterzuentwickeln. Für ihn gehören Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und die Abschätzung des künftigen Energiebedarfs zu einer verantwortungsvollen Debatte über den Energiemix der nächsten Jahrzehnte.

Bei MDR AKTUELL betonte Hurtado, es sei wenig sinnvoll, die Diskussion allein über pauschale Kostenvergleiche zu führen. Er verwies auf erhebliche technische Fortschritte in der Reaktortechnik und kritisierte die politische Tabuisierung bestimmter Technologien. Zugleich räumte er ein, dass Kernenergie nicht zwingend die einzige Lösung für die Grundlast ist: «Die Grundlast kann ich auch anderweitig regenerieren, das muss ja nicht Kernkraft sein», sagte er, fügte aber hinzu, Deutschland sehe derzeit keinen klaren, tragfähigen Alternativplan.

Besondere Hoffnungen setzt Hurtado auf Small Modular Reactors, die er für weiterentwickelnswert hält. Sein Appell: Deutschland sollte sich zumindest an internationalen Entwicklungsprojekten beteiligen, ohne erneuerbare Energien und Wasserstoffstrategien zu vernachlässigen.

Widerstreitende Perspektiven in Wissenschaft und Politik

Die Debatte ist hoch umstritten. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bezeichnete den europäischen Ausstieg aus der Kernenergie als «strategischen Fehler» und sprach sich für die Förderung moderner, kleiner Reaktoren aus. Parallel plant die EU Unterstützung und Risikoabsicherungen für private Investoren in neue Atomprojekte.

Gegensätzliche Stimmen stammen von Klimaökonomin Claudia Kemfert, die Kernkraft als «Technologie der Vergangenheit» ablehnt. Sie betont, erneuerbare Energiequellen und Speicher müssten mit maximaler Priorität ausgebaut werden, weil Kernkraft teuer, langsam im Bau und derzeit ohne entscheidende Innovationen sei.

Ökonomische und technologische Fragen bleiben offen

Unabhängige Studien, etwa vom Fraunhofer ISE, zeigen, dass Photovoltaik kombiniert mit Batteriespeichern bereits heute in vielen Fällen günstiger Strom erzeugen kann als konventionelle Kraftwerke. Das schärft die Frage, welche Rolle neue Kerntechnologien realistisch einnehmen könnten und wie schnell sie einsatzbereit wären.

Hurtado mahnt zu nüchterner Analyse statt ideologischer Abwehr: Technologieneutralität und internationale Kooperation sollten demnach die Grundlage einer belastbaren Energiepolitik sein. Ob die Politik diesem Ansatz folgt, bleibt angesichts der starken Stimmen auf beiden Seiten offen.

Der Bericht stützt eine Nachricht von: mdr.de

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