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Kemfert fordert freiwilliges Solarjahr für junge Menschen in Deutschland

03. Juni 2026

Freiwilliges Solarjahr soll junge Menschen an Energiewende binden

Die Energie- und Umweltökonomin Claudia Kemfert schlägt ein freiwilliges «Solarjahr» für 18- bis 27-Jährige vor. Ziel ist es, junge Menschen unmittelbar an der Umsetzung der Energiewende teilhaben zu lassen, Fachkräfte für erneuerbare Energien zu gewinnen und zugleich gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken.

Im Kern sieht Kemfert vor, dass Teilnehmende beim Aufbau von Solaranlagen mithelfen, in Energiegenossenschaften Erfahrungen sammeln, kommunale Klimaprojekte begleiten oder in Schulen Wissen zu Energieeffizienz und Nachhaltigkeit vermitteln. Das Solarjahr soll als zusätzliche, freiwillige Option neben bestehenden Freiwilligendiensten angeboten werden und nicht als Ersatz dienen.

Konkrete Chancen für Teilnehmende und Arbeitsmarkt

Nach Kemferts Einschätzung braucht Deutschland zehntausende zusätzliche Fachkräfte in den Bereichen erneuerbare Energien, Gebäudesanierung und Netzinfrastruktur. Ein Jahr praktischer Arbeit an Solardächern oder Energieeffizienzprojekten könne vielen jungen Menschen Orientierung bieten, fachliche Kompetenzen vermitteln und den Einstieg in zukunftsfähige Ausbildungswege erleichtern. Kemfert schlägt vor, dass Ausbildungsbetriebe, Handwerkskammern und Hochschulen Engagement im Solarjahr offiziell anerkennen und anrechnen.

  • Praxisnahe Tätigkeiten beim Aufbau und der Wartung von Solaranlagen
  • Mitarbeit in lokalen Energiegenossenschaften und Klimaprojekten
  • Bildungsarbeit an Schulen und in Jugendzentren
  • Erwerb handwerklicher und projektbezogener Kompetenzen mit Berufsperspektive

Klimaschutz, Unabhängigkeit und Friedensperspektive

Kemfert betont auch die geopolitische Dimension: Jede zusätzlich erzeugte Kilowattstunde heimischer Solarenergie verringert Abhängigkeiten von fossilen Energieimporten. In ihren Worten wäre das Solarjahr damit «nicht nur ein Klimaprojekt, sondern auch ein Friedensprojekt», weil es nationale Versorgungssicherheit stärkt und Lieferabhängigkeiten reduziert.

Einordnung in bestehende Dienste

In Deutschland gibt es bereits verschiedene Freiwilligendienste wie das Freiwillige Soziale Jahr, das Freiwillige Ökologische Jahr und den Bundesfreiwilligendienst. Diese dauern in der Regel zwischen sechs und 24 Monaten und decken soziale, ökologische sowie kulturelle Einsatzfelder ab. Kemferts Vorschlag zielt darauf ab, das Angebot zu ergänzen und eine speziell auf die Energiewende ausgerichtete Option zu schaffen.

In Berlin weist Kemfert, die am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung eine Abteilung für Energie, Verkehr und Umwelt leitet und zudem an der Leuphana Universität Lüneburg lehrt, auf die bildungs- und arbeitsmarktpolitischen Chancen eines solchen Programms hin. Ein strukturiertes Solarjahr könnte jungen Menschen konkrete Berufsperspektiven eröffnen und zugleich ein sichtbares Zeichen für den schnellen Ausbau erneuerbarer Energien setzen.

Die Diskussion um verpflichtende oder freiwillige Dienste für junge Menschen läuft derzeit europaweit, etwa mit der Service-Citoyen-Initiative in der Schweiz. Kemferts Solarjahr ist ein Vorschlag, der Klimaschutz, Ausbildung und gesellschaftliches Engagement verbindet und nun auf politische Prüfsteine trifft.

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