US-Heer bestellt Mini-Reaktoren im Wert von 2,2 Milliarden Dollar zur Absicherung der Energieversorgung
US-Heer investiert 2,2 Milliarden Dollar in kleine modulare Reaktoren zur Absicherung der Energieversorgung
Das US-Militär treibt die Einführung kleiner modularer Reaktoren voran, um die Verwundbarkeit seiner kritischen Infrastruktur gegen Ausfälle der zivilen Stromnetze zu verringern. In Aufträgen im Volumen von 2,2 Milliarden Dollar (rund 1,89 Milliarden Euro) hat das Heer mehrere Firmen damit beauftragt, SMR-Anlagen zu bauen und zu betreiben, die zunächst fünf Militärstützpunkte mit unabhängiger Elektrizität versorgen sollen.
Vertreter des Heeres betonten, dass die Abhängigkeit von flüssigen fossilen Brennstoffen, vor allem Diesel, in Krisensituationen ein erhebliches Risiko darstelle. «Wir wissen, dass unser inländisches Stromnetz potenziell gefährdet ist», sagte ein Energievertreter des Heeres und verwies darauf, dass im Krisenfall Nachschubketten für Treibstoffe unterbrochen sein könnten.
Technik, Firmen und Perspektiven
Sogenannte Small Modular Reactors sind deutlich kompakter als klassische Großkraftwerke; die Internationale Energieagentur definiert typische elektrische Leistungen bis zu 300 Megawatt. Zu den Firmen, die die Aufträge erhielten, zählen sowohl junge Start-ups als auch etablierte Hersteller der Nuklearindustrie. Unter den ausgewählten Anbietern sind die Start-ups Antares Nuclear und Radiant Industries sowie die langjährigen Marktteilnehmer Westinghouse und General Atomics. Bislang hat nur ein Design der Branche, das von NuScale, die Genehmigung der US-Atomaufsichtsbehörde erhalten.
Das Militär verfolgt einen eigenen Zertifizierungsprozess, arbeitet aber eng mit dem Energieministerium und der Regulierungsbehörde zusammen, um Zulassungsverfahren zu harmonisieren. Ziel ist, eine Brücke zu schaffen, über die für das Heer entwickelte Reaktoren später auch für zivile Kunden und Kommunen verfügbar werden könnten.
Platzbedarf und Einsatzszenarien
SMR-Anlagen benötigen wesentlich weniger Fläche als traditionelle Kernkraftwerke. Ein Beispiel des Herstellers Siemens Energy nennt für ein SMR etwa 10 000 Quadratmeter, also weniger als zwei Fußballfelder, während klassische Anlagen Fläche im Bereich von ein bis zwei Quadratkilometern belegen. Die kompakte Bauweise macht SMR für militärische Standorte attraktiv, die unabhängige, lokal verfügbare Energiequellen benötigen.
Die Entscheidung des Heeres markiert einen strategischen Schritt: Neben der unmittelbaren Absicherung von Stützpunkten sehen Experten darin auch einen Anreiz für Hersteller, ihre Technologien schneller zur Marktreife zu bringen. Offen bleibt, wie schnell regulatorische Hürden vollständig genommen und wie die sicherheitstechnischen Anforderungen im Feld umgesetzt werden können.