EnBW pumpt 7,6 Milliarden Euro in die Energiewende, Konzerngewinn fällt massiv
EnBW stemmt Rekordinvestitionen in die klimaneutrale Transformation trotz starkem Gewinnrückgang
Der baden-württembergische Energiekonzern EnBW hat seine Jahresbilanz für 2025 vorgelegt: Das bereinigte operative Ergebnis erreichte mit 5,1 Milliarden Euro das angepeilte Ziel und liegt damit leicht über dem Vorjahresniveau. Dennoch schrumpfte der Konzernüberschuss erheblich auf 450 Millionen Euro nach Abzug von Steuern, Zinsen und Abschreibungen, ein Rückgang von rund 75 Prozent.
Hauptgrund für die gegenläufige Entwicklung ist der Rückzug aus Großprojekten vor der britischen Küste. EnBW hatte zusammen mit einem Partner umfangreiche Offshore-Pläne verfolgt, zog sich aber zurück, nachdem Förderzusagen ausblieben und die Kosten deutlich gestiegen waren. Die Entscheidung führte zu einer einmaligen Abschreibung in Höhe von 1,2 Milliarden Euro, die das Jahresergebnis belastet.
Gleichzeitig legte der Konzern das Tempo beim Umbau des Energiesystems zu: Insgesamt investierte EnBW rund 7,6 Milliarden Euro in die klimaneutrale Transformation und damit gut 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Gut 60 Prozent dieser Rekordsumme floss in den Ausbau von Strom- und Gasnetzen, unter anderem in Großvorhaben wie die Stromverbindung Suedlink. Auch der Ausbau erneuerbarer Erzeugung wurde beschleunigt, darunter das Offshore-Projekt He Dreiht nordwestlich von Borkum, das nach Unternehmensangaben in diesem Sommer in Betrieb gehen soll.
Weitere Schwerpunkte der Investitionen waren wasserstofffähige Gaskraftwerke zur Abfederung von Erzeugungslücken, der Aufbau von Batteriespeichern sowie die Digitalisierung der Netze. Ziel ist es, das Energiesystem robuster zu machen und die Versorgungssicherheit während der Umstellung auf erneuerbare Quellen zu gewährleisten.
Im Segment Nachhaltige Erzeugungsinfrastruktur verlief das Jahr dagegen schwieriger: Hier sank der Gewinn um 13 Prozent, was EnBW unter anderem mit ungünstigen Wetterbedingungen begründet. Schwächere Wind- und Laufwassererträge haben die Stromproduktion belastet, ein Effekt, der sich nach Angaben von Experten auch im gesamten deutschen Strommix für 2025 abzeichnete. Für das laufende Jahr rechnet EnBW mit einer Erholung der Ertragslage.
In Karlsruhe betont der Vorstandsvorsitzende Georg Stamatelopoulos die strategische Stoßrichtung: «Erfolgreiches Geschäftsjahr», sagte er zur Bilanz, verwies aber zugleich auf die anspruchsvolle Phase des Transformationsprozesses und die zusätzlichen Unsicherheiten durch den Krieg im Nahen Osten. Zur Sorge vieler Kundinnen und Kunden wegen hoher Marktpreise sagte Stamatelopoulos, kurzfristige Preisschwankungen würden durch langfristige Beschaffungsstrategien abgefangen, sodass es aktuell nicht zu unmittelbaren Mehrbelastungen für Endkundinnen und Endkunden kommen müsse.
Für 2026 gibt EnBW eine Prognose für das bereinigte operative Ergebnis zwischen 4,6 und 5,1 Milliarden Euro. Neben der finanziellen Lage bleibt die Debatte um neue Kraftwerkskapazitäten aktuell: EnBW prüft unter anderem den Bau eines gasgefeuerten Kraftwerks am Rheinhafen in Karlsruhe, ein Vorhaben, das bereits im Gemeinderat diskutiert wird und kritische Stimmen von Klimaaktivistinnen und -aktivisten hervorruft.
Der Konzern steuert somit eine doppelte Aufgabe: hohe Investitionen in den Netzausbau und erneuerbare Energien voranzutreiben und zugleich die kurzfristigen wirtschaftlichen Belastungen zu managen, die beim Übergang zu einem klimaneutralen Energiesystem entstehen.

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