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Sicher, aber verletzlich: Wie Berlin sein Stromnetz nach dem Anschlag stärkt

29. April 2026

Stromversorgung grundsätzlich stabil, aber lokal verwundbar

Ein Sabotageakt an einer Kabelbrücke in Lichterfelde im Januar hat gezeigt, dass selbst ein überwiegend unterirdisch verlegtes Netz Schwachstellen besitzt. Die betroffene Brücke versorgt nach Angaben der Betreiber rund 45 000 Haushalte und mehr als 2 200 Betriebe; Bauarbeiten und mangelhafte Absicherung dürften den Täterinnen und Tätern das Eindringen erleichtert haben.

Seit dem Vorfall hat die Stromnetz Berlin GmbH massive Schutzmaßnahmen ergriffen: Rund um die Brücke sind Wachposten, bewegungsempfindliche Kameratürme und mehrere Zaunanlagen mit Nato-Draht installiert worden. Leitstellen überwachen die Kameras rund um die Uhr und alarmieren bei Auffälligkeiten Polizei und Sicherheitsdienste. Der Netzbetreiber betont jedoch, dass eine solche intensive Bewachung für eine große Zahl vergleichbarer Anlagen nicht dauerhaft zu halten ist.

Politikerinnen und Politiker sowie Experten fordern deshalb einen Mix aus kurzfristigen und langfristigen Maßnahmen. Kurzfristig soll in einen Dreiklang aus personeller Überwachung, Videoüberwachung und physischen Sperren investiert werden, um neuralgische Punkte besser zu schützen und Spuren für die Ermittlungen zu sichern. Langfristig steht die Verlagerung freiliegender Leitungen in den Boden ganz oben auf der Agenda: Aktuell gibt es noch etwa 120 Freileitungsmasten in der Stadt, die in den kommenden zehn bis 15 Jahren Schritt für Schritt unterirdisch verlegt werden sollen.

Fachpolitiker loben zugleich die allgemeine Zuverlässigkeit der Versorgung. Für 2024 weist Berlin nur geringe Ausfallzeiten auf: Im bundesweiten Vergleich liegt die Hauptstadt mit einem SAIDI-Wert weit vorne. Dennoch mahnen Fachleute an, dass sich die Aufbau- und Sicherheitsstrategie an eine veränderte Gefahrenlage anpassen müsse. Georedundanz, also räumlich getrennte Leitungsführungen, sowie dezentrale Versorgungsoptionen über Solarstrom und Batteriespeicher gelten als wichtige Bausteine, um Ausfälle regional abzufedern.

Auch die Krisenkoordination steht auf dem Prüfstand. Vertreterinnen und Vertreter von Übertragungsnetzbetreibern fordern klarere Rollenzuweisungen, bessere gemeinsame Lagebilder und regelmäßige Übungen. Nur so ließen sich Papierkonzepte in der Praxis zuverlässig umsetzen.

Auf Bezirks- und kommunaler Ebene rücken ergänzende Schutzmaßnahmen in den Blick: Sicherungsmaßnahmen für Alten- und Pflegeheime, verlässliche lokale Anlaufstellen für die Bevölkerung sowie gestärkte nachbarschaftliche Netzwerke sollen helfen, Schäden und Versorgungslücken abzufangen. Staatssekretärliche Pläne sehen zudem umfangreiche Investitionen vor: In den kommenden Jahren sind mehrere Hundert Millionen Euro sowie bis 2029 Summen in Milliardenhöhe für Umrüstung und Sicherstellung eingeplant.

Die Debatte zeigt einen klaren Konsens: Vollkommene Sicherheit ist unrealistisch, aber mit gezielten Investitionen, organisatorischer Vorbereitung und einer stärkeren Dezentralisierung der Energieversorgung lässt sich die Verwundbarkeit deutlich reduzieren. Entscheidend bleibt, dass technische Modernisierung und zivilgesellschaftliche Vorsorge Hand in Hand gehen, damit ähnliche Vorfälle in Zukunft weniger Folgen zeitigen.

Der Bericht stützt eine Nachricht von: nd-aktuell.de

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