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Stadtwerke München setzen auf qualitative Personalplanung statt Personalwachstum

03. Juni 2026

Qualitative Personalplanung soll Wachstum begrenzen und Fachkräfte nachhaltig sichern

München — Angesichts von jährlichen Personalkosten in Höhe von rund einer Milliarde Euro und des strukturellen Fachkräftemangels haben die Stadtwerke München (SWM) ihre Personalstrategie grundlegend neu ausgerichtet. Gabriele Jahn, Geschäftsführerin Personal, Immobilien und Bäder, erklärt im Gespräch, warum das Unternehmen eine Obergrenze für die Belegschaft setzt und statt expansiver Einstellungen auf vorausschauende Einsatzplanung und gezielte Qualifizierung setzt.

Die SWM haben sich intern eine Obergrenze von 12 000 Beschäftigten auferlegt. Jahn nennt zwei zentrale Gründe für das Limit: Zum einen die hohen laufenden Personalkosten, zum anderen die Notwendigkeit, knappe Fachkräfte effizienter einzusetzen. Entscheidend sei, Kompetenzen so zu planen, dass Mitarbeitende langfristig mehrere Projekte begleiten können und Leerlauf vermieden wird.

Neu ist die Einführung einer qualitativen Besetzungsplanung, die nicht nur Zahlen betrachtet, sondern die Kompetenzentwicklung und Einsatzfähigkeit der Mitarbeitenden in den Mittelpunkt stellt. Jahn berichtet, dass das Instrument in einem verlängerten Einführungszeitraum erprobt wurde, beginnend im Personalressort und in neu strukturierten Bereichen wie der Regionalen Energiewende. Nach Befragungen und Evaluierung sei der Regelbetrieb nun gestartet und die Führungskräfte sehen die qBP als wirksames Steuerungsinstrument zur Entwicklung von Mitarbeitenden.

Organisation und Mitbestimmung neu gedacht

Die SWM haben HR-Strukturen verändert: Bisher separierte Aufgabenfelder wie Personaladministration, Governance und Personalentwicklung wurden zusammengeführt. Personalentwickler:innen, -referent:innen und Veränderungsmanager:innen arbeiten nun in einem gemeinsamen Team nahe an den operativen Einheiten. Die Ergebnisse der qBP werden in Konferenzen mit Führungskräften und dem Betriebsrat beraten, um frühzeitig Klarheit über Entwicklungswege zu schaffen und Mitbestimmung zu gewährleisten. Jahn beschreibt die Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat als sehr positiv und konstruktiv.

Diversity, Frauenquote und Ausbildung

Für Jahn ist Diversity ein zentraler Bestandteil der Personalstrategie. Sie bekennt sich klar zu einer Frauenquote, weil sie den Fortschritt in Entscheidungs- und Führungsebenen beschleunigen soll. Gleichzeitig verändert die qualitative Besetzungsplanung die Berufsbilder und den Ausbildungsbedarf: Neu eingeführte Ausbildungsberufe wie Fachinformatiker für Daten- und Prozessanalyse sollen interne Kompetenzen stärken und Prozesseffizienz durch Digitalisierung fördern.

Rekrutierung in einem herausfordernden Markt

Trotz hoher Bewerberzahl — Jahn nennt für das vergangene Jahr rund 40 000 Bewerbungen — bleibt die Suche nach spezialisierten Kräften schwierig. Als Konkurrenten nennt sie nicht primär Konzerne, sondern die Herausforderung, geeignete Fachprofile zu finden. Im Verkehrsbereich etwa werden Fahrer:innen knapp. Hier setzen die SWM auch auf Auslandsrecruiting, unter anderem in Albanien und Marokko. Entscheidend sei es, nicht nur Personal zu rekrutieren, sondern Rahmenbedingungen für das Ankommen und Bleiben zu schaffen, etwa Wohnraum, Sprachförderung und interkulturelle Trainings.

Insgesamt zielt die Neuausrichtung darauf ab, die Zukunftsfähigkeit der Stadtwerke über produktivere Prozesse, gezielte Qualifizierung und Vielfalt in den Teams zu sichern. Die Maßnahmen sollen Kosten stabilisieren und gleichzeitig die Leistungsfähigkeit des Unternehmens erhalten.

Hintergrund: Gabriele Jahn ist seit November 2023 Geschäftsführerin Personal, Immobilien und Bäder bei den Stadtwerken München. Die promovierte Biologin war bereits von 1999 bis 2014 in verschiedenen HR-Funktionen bei den SWM tätig und brachte Erfahrungen aus leitenden Positionen bei anderen Versorgungsunternehmen mit.

Das Interview führte Elwine Happ-Frank am Rande des VKU Personalforums in München, wo die Stadtwerke Gastgeber waren.

Der Bericht stützt eine Nachricht von: zfk.de

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