Vom Kassenloch zur Energiemacht: Wie Wind und Solar ländliche Gemeinden stärken
Wind und Solar als Motor für ländliche Wirtschaft und Gemeindefinanzen
Vor zwanzig Jahren stand die 950 Einwohner zählende Gemeinde Großbardorf in Unterfranken am Abgrund: leere Gemeindekasse, Abwanderung junger Menschen und wenig Perspektive. Heute hat sich das Bild gedreht. Maßgeblich dafür sind frühzeitige Investitionen in erneuerbare Energien.
Die Gemeinde hat drei Solarparks, drei Windräder und ein Nahwärmenetz realisiert. Insgesamt wurden rund 70 Millionen Euro investiert. Die Folgen sind spürbar: Gewerbesteuereinnahmen und direkte Beteiligungen an den Energieanlagen stärken den Haushalt, neue Firmen siedeln sich an und schaffen Arbeitsplätze. Einwohnerinnen und Einwohner, die sich an den Projekten beteiligten, erzielten zum Teil Renditen von rund 15 Prozent und profitierten zugleich von einer spürbaren Verbesserung der Lebensqualität.
Heute erzeugt Großbardorf deutlich mehr Strom als vor Ort verbraucht wird und speist zusätzlich Wärme aus einer gemeinschaftlichen Biogasanlage ins Nahwärmenetz ein. Hohe Preise für Heizöl treffen die Gemeinde nur noch in geringem Maße. Auch die Voraussetzungen für einen Umstieg auf E Mobilität gelten als günstig, weil viele private Dachanlagen zusätzliche Solarenergie liefern.
Studie sieht großes Potenzial für ländliche Regionen
Eine Studie im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums kommt zu dem Ergebnis, dass insbesondere strukturschwache ländliche Regionen durch den Ausbau von Wind und Solar erhebliche Wertschöpfung erzielen können. Frederick Sixtus vom Berlin Institut für Bevölkerung und Entwicklung weist darauf hin, dass die in den Regionen verbleibenden Geldbeträge bis zum Jahr 2033 deutlich steigen könnten und sich die lokale Wertschöpfung in der Spitze sogar verdoppeln kann.
Wertschöpfung entsteht laut Studie über mehrere Kanäle: höhere Gewerbesteuereinnahmen, Pachteinnahmen, Beteiligungen nach Paragraf 6 des Erneuerbare Energien Gesetzes 2021 sowie direkte kommunale Beteiligungen. Kommunale Stadtwerke können dabei als Motor fungieren und mit Gewinnen kommunale Dienstleistungen finanzieren.
Bürgerbeteiligung und lokale Effekte
Die Studie zeigt auch, wie Bürgerinnen und Bürger finanziell profitieren können, etwa über Energiegenossenschaften, Genossenschaftsmodelle oder Nachrangdarlehen. Manche Kommunen beziehen alle Einwohnerinnen und Einwohner ein und schaffen lokale Tarife oder nutzen Gewinne, um Wasser oder andere lokale Gebühren zu subventionieren.
In den untersuchten Beispielkommunen verbesserten sich oft auch Infrastruktur und soziale Angebote. Investitionen in Kinderbetreuung, Sanierung von Gemeindegebäuden oder die Unterstützung von Vereinen waren mögliche Folgeeffekte, die das Leben vor Ort nachhaltig verbesserten.
Voraussetzungen und Risiken
Gleichzeitig mahnt die Studie zur Vorsicht. Damit die Wertschöpfung bei den Kommunen bleibt, seien rechtzeitige Entscheidungen und lokales Engagement nötig. Wenn Konzerne dominieren, die allein auf kurzfristigen Profit setzen, bleibe für die Kommune wenig hängen. Großbardorf setzt deshalb weiter auf lokale Beteiligung und neue Initiativen zum Ausbau von Wind und Solar, damit die Energiewende auch vor Ort spürbar bleibt.
Stadt und Gemeinde stehen damit beispielhaft für die Möglichkeiten, die in der Kombination von Erneuerbaren, Bürgerbeteiligung und kommunaler Strategie liegen.