Solarjahr für die Jugend: Kemfert schlägt freiwilligen Dienst zur Beschleunigung der Energiewende vor
Freiwilliges Solarjahr soll junge Menschen aktiv in die Energiewende einbinden
Die Energie- und Umweltökonomin Claudia Kemfert fordert ein freiwilliges Solarjahr für junge Menschen in Deutschland. Ihr Vorschlag richtet sich an 18- bis 27-Jährige und verbindet praktisches Engagement mit Ausbildungseffekten: Teilnehmende sollen beim Aufbau von Solaranlagen mitarbeiten, Energiegenossenschaften unterstützen, kommunale Klimaprojekte begleiten oder in Schulen Wissen zu Energie und Nachhaltigkeit vermitteln.
Kemfert, die am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin die Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt leitet und als Professorin an der Leuphana Universität Lüneburg forscht, betont, dass das Solarjahr bestehende Freiwilligendienste nicht ersetzen solle, sondern als zusätzliche Option innerhalb eines modernen Gesellschaftsdienstes gedacht ist. Durch praktische Arbeit an Solardächern und Effizienzprojekten entstehe unmittelbares Verständnis dafür, was Klimaschutz bewirkt. Gleichzeitig fördere die Erfahrung Teamgeist, Zusammenhalt und Kompetenzen, die in der Arbeitswelt der Zukunft gefragt sind.
Die Initiative verknüpft soziales Engagement mit wirtschaftlicher Notwendigkeit: Deutschland benötigt nach Kemferts Darstellung zehntausende zusätzliche Fachkräfte für erneuerbare Energien, Gebäudesanierung und Netzinfrastruktur. Ein Solarjahr könne deshalb auch als Einstieg in zukunftsfähige Berufe dienen, wenn Ausbildungsbetriebe, Handwerkskammern und Hochschulen das Engagement offiziell anerkennen und anrechnen.
- Konkrete Tätigkeiten könnten sein: Installation und Wartung von Solarmodulen, Unterstützung bei Energieberatungen, Mitarbeit in kommunalen Klimanetzwerken, Bildungsangebote an Schulen und Jugendzentren.
- Organisatorisch könnte das Solarjahr freiwillig, befristet und mit Begleitung durch Fachorganisationen stattfinden, ergänzt durch pädagogische Module und eine Anerkennung für berufliche Zwecke.
Auch die außenpolitische Dimension spielt für Kemfert eine Rolle: Mehr heimische Solarenergie verringere die Abhängigkeit von fossilen Importen und reduziere damit geopolitische Risiken. In ihren Worten wäre das Solarjahr demnach nicht nur ein Klimaprojekt, sondern «ein Friedensprojekt».
Der Vorstoß fügt sich in eine breitere Debatte über Dienstpflichten in Europa. Während in der Schweiz eine allgemeine Servicepflicht zur Abstimmung steht, existieren in Deutschland bereits verschiedene Formen freiwilliger Dienste wie das Freiwillige Soziale Jahr, das Freiwillige Ökologische Jahr und der Bundesfreiwilligendienst. Kemferts Idee würde diese Angebote um eine speziell an der Energiewende orientierte Option erweitern.
Ob und wie das Konzept politisch umgesetzt wird, hängt von Gesprächen mit Trägern, Ausbildungsinstitutionen und Kommunen ab. Klar ist jedoch, dass die Kombination aus praxisorientiertem Lernen, sozialem Zusammenhalt und Ausbau erneuerbarer Energien ein neues Modell des gesellschaftlichen Engagements skizziert, das über klassische Freiwilligendienste hinausgeht.

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